RAD WM 2018

 „Das Radfahren macht mir eine große Freude: Es ist wunderschön, ein bisl ermüdet und erhitzt sich irgendwo hinzusetzen und über die Sträucher, die Wiesen und Hügel hinzuschauen und abends ist es sogar wunderschön in den Straßen der Vorstädte zu fahren.“ 
(Hugo von Hofmannsthal, österreichischer Dichter, 1874 – 1929)
Nicht zwei Beine waren in den letzten Tagen auschlaggebend für das Sein, sondern zwei Räder. Über eine Woche hielt die UCI Rad WM 2018 Innsbruck und seine umliegenden Dörfer in Atem. So auch Lans. Der versierte Rad-Fan vergnügte sich in der Public Viewing Area am Oberen Feld, beim Isser Wirt und bei der Ortseinfahrt am M-Preis, der Auto-gebundene Pendler orientierte sein daily business stoisch an den mannigfaltigen Verkehrssperren im Mittelgebirge und/oder in Innsbruck. So oder so: Die Rad WM stellte sich als Event der Extraklasse heraus, das unsere kleine Mittelgebirgsgemeinde mitunter in den Fokus der Weltöffentlichkeit stellte. Immerhin war Lans ein Streckenpunkt auf der Route der Straßenrennen, die vom Tiroler Unterland bis nach Innsbruck und über Aldrans, Lans, Igls zurück zum Ziel in der Innsbrucker Innenstadt führte. Der insgesamt 24 Kilometer lange Rundkurs musste je nach Kategorie Herren und Damen Elite, sowie Herren U23 und Junioren mehrmals befahren werden und wurde ganz treffend als OLYMPIA RUNDKURS bezeichnet. Eine Gaudi für die Zuschauer, mehrere hundert Höhenmeter Auf- und Abfahrt für die mehreren hundert Teilnehmer der Rad-WM. Und dann war da noch das Wetter! Herbstliches Kaiserwetter mit Sonnenschein, warmen Temperaturen und ganz viel Stimmung. Spätestens nach dem Weltmeistertitel der 18-jährigen Tirolerin Laura Stigger in der Juniorenklasse.

Linkes Bild: Junioren Weltmeisterin Laura Stigger, Rechtes Bild: Lanser Fans in der Fanzone Oberes Feld

DER OLYMPIA RUNDKURS GENAUER BETRACHTET 
Hochachtung vor den Herren und Damen der Elite! Am Samstag schwitzten die Damen, am Sonntag, den 30 September, hieß es für die männlichen Profisportler aus aller Welt: treten und spulen! Die Herren Elite bewältigte 258,5 Kilometer und über 4.600 Höhenmeter von Kufstein über den Wallfahrtsort Maria Stein nach Innsbruck – dort erwartete die Radler dann der Olympia Rundkurs im Mittelgebirge und der letzte berühmt-berüchtigte Anstieg in Hötting: der Höll-Anstieg mit 28 Prozent Steigung. Ganze siebenmal mussten oder durfte die Herren Elite an Lans vorbei radeln, den Damen ging es mit vier Runden und knapp 2.800 Höhenmetern nicht merklich besser. Bei Sonnenschein und einer Bombenstimmung freuten sich die Zuschauer in Lans allerdings über jeden Besenwagen, jeden Polizisten auf einem Motorrad und natürlich auf die Athleten selbst. Soviel gepfiffen und gejohlt in internationaler Einigkeit wird sonst doch eher selten. Sehr zur Freude der Lanser Vereine und Gasthäuser, die schon im Vorfeld der Rad WM ihren Beitrag geleistet haben.
WÜRSTL, BURGER & ÄPFEL. BIER & KAFFEE.
Schon beim Ortseingang direkt am M-Preis der erste kulinarische Boxenstopp: Die Musikkapelle Lans zusammen mit den Jungbauern und der Feuerwehr organisierten und betreuten ein „Versorgungszelt“ mit Ausschank und Verpflegung. Auch der M-Preis hatte am Sonntag für all die Anwohner, Camper und Zuschauer geöffnet. An der Kreuzung verführte der Isser Wirt mit einem eigenen Standl Zuschauer und Gemeindebürger gleichermaßen – Vollkornweckerln mit eingemachtem Schweinefleisch, faschierte Laibchen mit Senf und – der Gaumenschmaus schlechthin – Kaiserschmarren. Aber auch beim Ortsschild in Richtung Patscherkofelbahn ließen sich der Sportverein Lans und die Schützen nicht lumpen. In einem Holzstand wurden Kaffee und Kuchen ausgeschenkt (am Sonntag sogar vom Bürgermeister höchstpersönlich), gleich daneben sorgten die Schützen in einer Schirmbar mit Bier und allem was dazu gehört für die richtige Gaudi. Auch ein „Fernseher-Zelt“ versorgte die Fans aus aller Welt mit der durchgehenden Live-Übertragung der einzelnen Rennen.
UND WER HAT’S GEWONNEN?
Die Lanser natürlich! Weil sie nicht nur die Radfahrer und Radfahrerinnen angefeuerten, sondern auch tatkräftig und mit viel Elan die UCI Rad WM zu einem unvergesslichen Event machten, das im kollektiven Gedächtnis noch lange positiv nachwirken wird. Ach ja: Bei den Herren Elite gewann verdient der 38-jährige Spanier Alejandro Valverde, der nach einem wahren Husarenritt über den Höll-Anstieg die Führung übernahm und die Fans an der Hofburg zum Jubeln brachte. Die WM-Goldmedaille in der Wertung Damen Elite sicherte sich mit fast vier Minuten Vorsprung vor der Zweitplatzierten die Niederländerin Anna van der Breggen.
Fazit: Hut ab vor den Athleten und Athletinnen aus 150 Ländern, die diese Rad WM zu einem spektakulären Erlebnis machten. Ein herzliches Dankeschön an alle Vereine und Helfer der Gemeinde Lans. Wir können wirklich stolz sein.

Bildnachweis: Karl Heinz Klingenschmid, Lorenz Seiwald, Mario Webhofer

2018-11-29T10:25:33+00:00